Soap oder das Leben ist eine Seifenoper

Themenabend | 270 Min. | Merle Kröger, Ed van Megen, Jörg Heitmann, Philip Scheffner, Bettina Ellerkamp
Soap oder das Leben ist eine Seifenoper
Duration: 270 Min.
Jahr: 1996
Format: DV/ Betacam SP
Production: dogfilm für ZDF/ARTE Themenabend
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Inhalt

Von der Redaktion ZDF (Das Kleine Fernsehspiel)/ ARTE wurde dogfilm gebeten, einen Themenabend vorzuschlagen. Es entstand die Idee, den kulturell ambitionierten Sendeplatz auf ARTE mit einer Fernsehform zu konfrontieren, die auf allen anderen Sendern "Quote bringt".

Der Themenabend "Soap" gab uns die Möglichkeit, uns dem "Prinzip Soap" von unterschiedlicher Seite zu nähern: dokumentarisch und fiktiv, politisch und privat, spielerisch und analytisch. Für den gesamten Abend wurde eine Struktur entwickelt, die formale Aspekte, das Episodenhafte, die Pausen und ein eigenes Layout mit einbezog. Vermischungen zwischen Fiktion und Realität waren beabsichtigt und nicht zufällig.

Wenn wir vom "Prinzip Soap" sprechen, dann meinen wir nicht nur ein eng begrenztes Genre, sondern eine serielle Parallelwelt im Fernsehen, die unser Leben teilweise über Jahre begleitet, beeinflußt, karikiert. Diese Welt ist nicht nur interessant durch ihre speziellen Stilmittel und ihre Bezugnahme auf "Alltägliches", sondern durch den Spalt, der sich auftut zwischen dem "Leben auf der Überholspur" (Romantitel "Beverly Hills 90210") und dem Alltag der meisten Leute. Das "Prinzip Soap" steht für ein Leben in Episoden, Krisen, aus denen es nur scheinbare Auswege gibt, eine Realität, die sich ständig zwischen zwei "Cliffhangern" befindet.

Lange wurde das Serienpublikum immer nur als passive, manipulierbare Masse wahrgenommen, suchtgefährdet und unkritisch. Neuere Untersuchungen behaupten dagegen, die persönliche Involviertheit könne durchaus zu einer positiven kritischen Interaktion zwischen Drehbuchautoren und Publikum führen. Die Vermischung von Fernsehrealität und dem, was sich vor noch nicht allzu langer Zeit schlicht "Wirklichkeit" nannte, geht jedoch weit darüber hinaus, z.B. Dr. Wussow einen Brief in die Schwarzwaldklinik zu schreiben. Die Methoden, diesen Spalt zwischen zwei Formen der Realität für eine Weile zu schließen, sind viel subtiler und betreffen eigentlich alle: Zuschauer, aber auch Schauspieler, Drehbuchautoren, Regisseure und vielleicht Produktionsfahrer.

Jede Serie verkörpert eine eigene Welt, wir erleben das Auf und Ab einer Familie, einer Hausgemeinschaft, einer Clique oder einer Krankenhausstation. Darin verpackt jedoch vermitteln sich Lebensstile und Ideologie, orientiert an der Zielgruppe. In den USA gibt es neben den Serien für die weißen Upper-Class-Kids auch die schwarze Sitcom, die das Leben in Harlem zu einer malerischen Exotik mitten in New York verklärt. In Kasachstan wird eine Soap von den britischen "Entwicklungshelfern" als Starthilfe ins kapitalistische Wirtschaftssystem produziert. Gerade konservative Politiker haben schon lange erkannt, daß es nichts Systemerhaltenderes gibt als eine Seifenoper, die uns zeigt, daß unsere Werte die richtigen und unsere Moral durchaus nicht überholt ist.

Nur wenige Serien vermitteln bisher das gegenteilige Prinzip, beunruhigen uns oder stören sogar die gemütliche Ruhe vor dem Fernseher.

Daß "die wahre", "die authentische" Realität auch nicht ohne Inszenierung auskommt, ist mittlerweile Konsens. Das Super-8-Material einer Berliner Familie kann sich zu einer Seifenoper verdichten, die zwischen Kleingartenkolonie und Familienfest spielt.
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